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ECMMichael Schiklang

Die Migra­ti­on von ECM-Sys­te­men

3. Juli 2017

Von Micha­el Schi­klang

Die Migra­ti­on von einem alten in ein neu­es ECM-Sys­tem ist eine nicht zu unter­schät­zen­de Auf­ga­be.

Essen­ti­ell wich­tig bei der Migra­ti­on ist, dass alle rele­van­ten Infor­ma­ti­ons­ob­jek­te über­nom­men und die Auf­be­wah­rungs­pflich­ten ein­ge­hal­ten wer­den. Zudem muss sicher­ge­stellt wer­den, dass auch Struk­tu­ren, Pro­zes­se und Rech­te im neu­en Sys­tem abge­bil­det wer­den. Der betrieb­li­che Ablauf darf durch die Migra­ti­on nicht beein­träch­tigt, wes­we­gen kla­re Kon­zep­te für die Über­nah­me und die Schu­lung der Mit­ar­bei­ter erstellt wer­den müs­sen.

Zu migrie­ren­de Inhal­te

Bei der Migra­ti­on ist es wich­tig, dass alle rele­van­ten Inhal­te berück­sich­tigt wer­den. 

Die meis­ten Sys­te­me ver­fü­gen über Importer für die Mas­sen­über­nah­me von Doku­men­ten. Bei der Über­nah­me der Doku­men­te muss unbe­dingt dar­auf geach­tet wer­den, dass deren Meta­da­ten auch migriert wer­den und die Ver­knüp­fung bestehen bleibt. Nur so kann sicher­ge­stellt wer­den, dass die Doku­men­te kor­rekt ver­wal­tet und auch die Regeln für die Com­pli­ance (Fris­ten, Rech­te­ma­nage­ment für den Zugriff) ein­ge­hal­ten wer­den. Die Über­nah­me von Meta­da­ten ist tech­nisch gese­hen eine Daten­ko­pie von einer Daten­bank in eine ande­re Daten­bank. Für die­se Auf­ga­be gibt es ent­spre­chen­de Schnitt­stel­len. Bei der Über­nah­me muss dar­auf geach­tet wer­den, dass bei unter­schied­li­chen Daten­mo­del­len im Quell- und Ziel­sys­tem ein ent­spre­chen­des Map­ping vor­ge­nom­men wird. Zudem muss auch sicher­ge­stellt sein, dass alle Aspek­te (Sta­tus, Signa­tu­ren etc.) die im alten Sys­tem abge­bil­det waren, sich auch im neu­en Sys­tem anle­gen las­sen. Inhalt­li­che und kon­zep­tio­nel­le Pro­ble­me müs­sen früh­zei­tig iden­ti­fi­ziert und ent­spre­chen­de Lösun­gen defi­niert wer­den. 

Des Wei­te­ren muss man Auf­be­wah­rungs- und Lösch­fris­ten über­neh­men. Nur so kann man garan­tie­ren, dass die Anfor­de­run­gen an die Auf­be­wah­rung und Ver­nich­tung von Doku­men­ten durch­gän­gig ein­ge­hal­ten wer­den.

Die Über­nah­me von Abla­ge­struk­tu­ren und Akten ist meist mit Pro­jekt­auf­wand ver­bun­den. Die Höhe des Auf­wands hängt davon ab, wie sehr sich die tech­ni­schen Abbil­dungs­lo­gi­ken der bei­den Sys­te­me unter­schei­den. Wer­den Akten im Alt- und Neu­sys­tem bei­spiels­wei­se als eige­ne Infor­ma­ti­ons­ob­jek­te abge­bil­det, so ist die Migra­ti­on viel ein­fa­cher, als wenn ein Sys­tem die Akten nur auf Basis von Such­an­fra­gen gegen die Meta­da­ten kre­iert. In die­sem Fall müs­sen wie­der ent­spre­chen­de Map­ping-Logi­ken gefun­den wer­den, wel­che eine Über­nah­me ermög­li­chen.

Rol­len und Rech­te las­sen sich meist nicht auto­ma­tisch über­neh­men und müs­sen neu ange­legt wer­den. Grund hier­für ist, dass die Sys­te­me teil­wei­se kom­plett unter­schied­li­chen Logi­ken fol­gen und auch tech­nisch anders funk­tio­nie­ren. Ist ein zen­tra­les Nut­zer­ver­zeich­nis vor­han­den, las­sen sich zumin­dest die Anwen­der wie­der initi­al in das neue Sys­tem impor­tie­ren. Auch Work­flows müs­sen in den meis­ten Fäl­len kom­plett neu defi­niert wer­den, da die tech­ni­sche Abbil­dung und das Vor­ge­hen bei der Anla­ge bei vie­len Lösun­gen unter­schied­lich funk­tio­niert. Hier­aus ergibt sich aber die Chan­ce, bestehen­de Abläu­fe kri­tisch zu hin­ter­fra­gen und even­tu­ell Ver­bes­se­run­gen durch das Pro­zess-Rede­sign her­bei­zu­füh­ren. 

Wer­den im Sys­tem sons­ti­ge ergän­zen­de Daten gehal­ten (z. B. Daten­ko­pien aus füh­ren­den Sys­te­men oder eige­ne Daten­be­stän­de), muss sicher­ge­stellt wer­den, dass die­se auch im neu­en Sys­tem zur Ver­fü­gung ste­hen. 
Im Stan­dard ist es meist nicht mög­lich, Anno­ta­tio­nen, wel­che in einer eige­nen Schicht vor­lie­gen, auto­ma­tisch zu über­neh­men. Grund hier­für ist, dass es kei­nen Stan­dard für die Abbil­dung von Anno­ta­tio­nen gibt. Auf dem Doku­ment ein­ge­brann­te Anno­ta­tio­nen dage­gen wer­den beim Doku­men­ten­im­port über­nom­men. 

Migra­ti­ons­sze­na­ri­en

Grund­sätz­lich gibt es ver­schie­de­ne Migra­ti­ons­sze­na­ri­en. Bei der har­ten Migra­ti­on wer­den alle Inhal­te auf ein­mal über­nom­men. Wäh­rend der Über­nah­me kön­nen die Anwen­der nicht arbei­ten. Nach der Über­nah­me wird das Alt­sys­tem abge­schal­tet. Die­ses Vor­ge­hen funk­tio­niert aber nur bei Sys­te­men mit rela­tiv weni­gen Inhal­ten. Bei grö­ße­ren Instal­la­tio­nen ist sowohl der kon­zep­tio­nel­le Auf­wand als auch die im Rah­men der Über­nah­me ent­ste­hen­de Down­ti­me zu hoch. 

Alle ande­ren Sze­na­ri­en basie­ren auf einem Par­al­lel­be­trieb. So kann man z. B. den Umzug bereichs- oder the­men­wei­se gestal­ten und in Form ver­schie­de­ner Teil­pro­jek­te rea­li­sie­ren. Bei­spiels­wei­se könn­ten in einem ers­ten Schritt alle Doku­men­te der Buch­hal­tung über­nom­men wer­den. Alter­na­tiv kann auch nur ein defi­nier­ter Teil der Inhal­te (z. B. die Doku­men­te und Akten der letz­ten 5 Jah­re) migriert wer­den. Älte­re Daten lie­gen im Alt­sys­tem, wel­ches nur noch einen lesen­den Zugriff gestat­tet. Rufen die Anwen­der Inhal­te aus dem Alt­ar­chiv auf und bear­bei­ten die­se wei­ter, müs­sen sie die­se im neu­en Archiv spei­chern. 

Eine wei­te­re Mög­lich­keit ist, dass das neue Sys­tem das alte Repo­si­to­ry direkt ein­bin­den kann. Der Vor­teil die­ser Metho­de ist, dass kei­ne Infor­ma­ti­ons­ob­jek­te über­nom­men wer­den müs­sen. Im Gegen­satz dazu wer­den die Meta­da­ten aber meist migriert und in die eige­ne Index­daten­bank über­nom­men.

Natür­lich sind auch ver­schie­de­ne Misch­for­men rea­li­sier­bar. An die­ser Stel­le kann kei­ne pau­scha­le Emp­feh­lung abge­ge­ben wer­den, wel­ches Sze­na­rio grund­sätz­lich am bes­ten für einen jewei­li­gen Kun­den geeig­net ist, da dies von der jewei­li­gen Aus­gang­si­tua­ti­on in den Unter­neh­men abhängt.

Schnitt­stel­len

War das Alt­sys­tem über Schnitt­stel­len mit füh­ren­den Anwen­dun­gen ver­bun­den, muss das neue Sys­tem auch über Schnitt­stel­len in die ent­spre­chen­den Appli­ka­tio­nen inte­griert wer­den. Wich­tig ist, dass ver­knüpf­te Objek­te auch nach der Migra­ti­on wei­ter mit­ein­an­der ver­bun­den sind. Wer­den z. B. Busi­ness-Objek­te in SAP mit Doku­men­ten im Archiv ver­linkt, darf die­se Ver­knüp­fung nicht durch die Migra­ti­on ver­lo­ren gehen. Es bedeu­tet, dass auch sicher­ge­stellt wer­den muss, dass die für die Zuord­nung rele­van­ten Schlüs­sel­at­tri­bu­te (z. B. die Doku­men­ten-ID) über­nom­men wer­den. Wur­den Funk­tio­nen des alten ECM-Sys­tems in die füh­ren­den Anwen­dun­gen inte­griert (z. B. die Archiv­su­che), soll­te auch über das neue Sys­tem mög­lichst der glei­che Funk­ti­ons­um­fang zur Ver­fü­gung gestellt wer­den.

Vor­ge­hen bei der Migra­ti­on

Die Migra­ti­on von ECM-Sys­te­men ist meis­ten mit einem rela­tiv hohen Auf­wand ver­bun­den und kein tri­via­les Unter­fan­gen. Inso­fern soll­te die Migra­ti­on als klar struk­tu­rier­tes Pro­jekt umge­setzt wer­den, wel­ches auf einer kla­ren Pla­nung und Stra­te­gie basiert. Im Rah­men der Pla­nung soll­te der Ver­ant­wort­li­che für das The­ma Com­pli­ance recht­zei­tig ein­ge­bun­den wer­den. Es gilt die Migra­ti­on so zu gestal­ten, dass Auf­be­wah­rungs­pflich­ten nicht ver­letzt und durch­gän­gig doku­men­tiert wer­den. Zudem ist es sehr wich­tig, dass die Mit­ar­bei­ter recht­zei­tig Schu­lun­gen für das neue Sys­tem erhal­ten und dass im Unter­neh­men die genaue Pro­jekt­pla­nung kom­mu­ni­ziert wird. Bei einem Par­al­lel­be­trieb der neu­en und der alten Lösun­gen muss es kla­re Kon­zep­te geben, wel­che fest­le­gen, wo wel­che Inhal­te lie­gen und wie mit den Sys­te­men zu arbei­ten ist.

Im Vor­feld der Migra­ti­on soll­te die Über­nah­me auf den Test- und Ent­wick­lungs­sys­te­men aus­gie­big getes­tet wer­den. So las­sen sich früh­zei­tig tech­ni­sche Stol­per­stei­ne iden­ti­fi­zie­ren und Lösun­gen für die­se fin­den. Nach und wäh­rend der Migra­ti­on ist unbe­dingt zu prü­fen, ob die über­nom­me­nen Inhal­te feh­ler­frei im neu­en Sys­tem zur Ver­fü­gung ste­hen. Hier­für soll­ten geeig­ne­te Stich­pro­ben defi­niert wer­den.

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