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ECM

„Druck“ im ECM: Kyo­cera über­nimmt Opti­mal Sys­tems

15. Janu­ar 2020

Von Dr. Mar­tin Böhn

Der Wan­del von Kyo­cera vom rei­nen Druck­spe­zia­list zum Anbie­ter von ver­bun­de­nen Hard- und Soft­ware­lö­sun­gen geht wei­ter. Mit Opti­mal Sys­tems über­nimmt die Grup­pe einen wei­te­ren ECM-Anbie­ter.

Opti­mal Sys­tems und Ceyo­niq sind nun Geschwis­ter

Der Wan­del von Kyo­cera vom rei­nen Druck­spe­zia­list zum Anbie­ter von ver­bun­de­nen Hard- und Soft­ware­lö­sun­gen geht wei­ter. Mit Opti­mal Sys­tems über­nimmt die Grup­pe einen wei­te­ren ECM-Anbie­ter.

Für Kyo­cera ist es nach Ceyo­niq und Alos ein wei­te­rer Soft­ware­her­stel­ler aus dem Bereich ECM. Damit sol­len bes­se­re, durch­gän­gi­ge Lösun­gen bezo­gen auf die Geschäfts­pro­zes­se ange­bo­ten wer­den kön­nen (Erfas­sung, Ver­wal­tung, Nut­zung, Aus­ga­be), aber auch die Ver­bin­dung aus ver­bun­de­ner Hard­ware, Soft­ware und Dienst­leis­tung.

Kyo­cera erhofft sich neue Kun­den­schich­ten und stär­ke­re Kun­den­bin­dung

Kyo­cera Docu­ment Solu­ti­ons setzt damit kon­se­quent wei­ter sei­nen Um- und Aus­bau fort. Neben Hard­ware und Hard­ware-nahen The­men sol­len Soft­ware und Bera­tung gesetzt wer­den, um so den Kun­den umfas­sen­de­re Lösun­gen bie­ten zu kön­nen. Papier und digi­ta­le Arbeits­wei­sen wer­den ver­knüpft. Gleich­zei­tig ver­sucht man damit die Kun­den­bin­dung zu stär­ken, da eine tie­fe­re Ver­net­zung mit den Geschäfts­pro­zes­sen erfolgt.

Kyo­cera Docu­ment Solu­ti­ons setzt mit der Über­nah­me kon­se­quent sei­nen Um- und Aus­bau fort.

Betont wer­den die „tech­ni­sche Inte­gra­ti­ons­kom­pe­tenz, die Indi­vi­dua­li­sie­rung und die Exper­ti­se“, also alles Punk­te, wel­che eine pro­jekt­be­zo­ge­ne enge Ver­knüp­fung mit den Kun­den ver­deut­li­chen. Damit möch­te Kyo­cera zusätz­li­che Ein­nah­me­quel­len schaf­fen und sei­ne Wett­be­werbs­po­si­ti­on stär­ken, um bestehen­de Kun­den bes­ser zu hal­ten und neue zu gewin­nen.

Kyo­cera hat hier­für bereits eini­ge Zukäu­fe durch­ge­führt, auch Canon (IRIS Group) und Ricoh (Docu­wa­re) haben schon ent­spre­chen­de Inves­ti­tio­nen getä­tigt. Aller­dings wird aktu­ell noch nicht deut­lich, wie aus den ver­schie­de­nen Unter­neh­men in der Grup­pe ein ein­heit­li­ches, abge­stimm­tes Gesamt­an­ge­bot ent­ste­hen soll. Oder ob dies über­haupt erfol­gen soll, da vie­le der Unter­neh­men selbst­stän­dig wei­ter agie­ren wie Opti­mal Sys­tems auch. Kyo­cera Docu­ment Solu­ti­ons wäre nicht der ers­te Anbie­ter mit einer Mehr-Mar­ken-Stra­te­gie.

Opti­mal Sys­tems erhält Geld und inter­na­tio­na­le Struk­tu­ren für das Wachs­tum

Auch aus ECM-Sicht machen die Inves­ti­tio­nen Sinn: Für die digi­ta­le Trans­for­ma­ti­on und die Inter­na­tio­na­li­sie­rung sol­len vie­le Anbie­ter neu auf­ge­stellt wer­den. Um schnell agie­ren zu kön­nen, wird Geld von außen geholt. Ande­re Anbie­ter wie bspw. SER haben Inves­to­ren hin­zu­ge­zo­gen. 

Zudem erhofft man sich neben den finan­zi­el­len Mit­teln Vor­tei­le aus dem Zugriff auf ein inter­na­tio­na­les Netz­werk an neu­en Kol­le­gen und Part­nern.

Bis­he­ri­ge Kyo­cera-Kun­den sol­len mit ECM-Ange­bo­ten ver­sorgt wer­den – sofern dies nicht bereits eine ande­re Kyo­cera-Toch­ter gemacht hat. Auch aus dem Ange­hen der jewei­li­gen Bestands­kun­den kön­nen so Cross-Sel­ling-Effek­te ent­ste­hen.

Opti­mal Sys­tems, Ceyo­niq, Alos… nun eine glück­li­che Fami­lie?

In der Pres­se­er­klä­rung wird die kla­re Aus­sa­ge getrof­fen, dass Opti­mal Sys­tems „unab­hän­gig blei­ben und unver­än­dert wei­ter­ge­führt“ wer­den soll. Das wird span­nend wer­den, da sich eini­ge „Fami­li­en­mit­glie­der“ Kon­kur­renz machen. Die neu­en Schwes­tern Ceyo­niq, Opti­mal Sys­tems und Alos haben vie­le Über­schnei­dun­gen. Sie agie­ren häu­fig als Markt­be­glei­ter und gehen zum Groß­teil glei­che Kun­den­grup­pen an.

 Die neu­en Schwes­tern Ceyo­niq, Opti­mal Sys­tems und Alos haben vie­le Über­schnei­dun­gen.

Im vor­lie­gen­den Fall ist die ruhi­ge, lose Zusam­men­füh­rung sicher eine gute Vor­ge­hens­wei­se. Opti­mal Sys­tems hat in den ver­gan­ge­nen Jah­ren ein star­kes Wachs­tum bei Mit­ar­bei­tern und Part­nern ver­zeich­net. Dies und die Stra­te­gie mit zwei Sys­tem­platt­for­men erfor­dert viel Auf­wand und Koor­di­na­ti­on – eine umständ­li­che Inte­gra­ti­on in den Kon­zern kann Opti­mal Sys­tems zum jet­zi­gen Zeit­punkt sicher nicht gebrau­chen.

Bei­spiels­wei­se bei Ceyo­niq hat Kyo­cera schon gezeigt, dass sie es kön­nen. Ansprech­part­ner wur­den bei­be­hal­ten, Pro­duk­te und Markt­auf­tritt gestärkt und der ein­ge­schla­ge­ne Kurs fort­ge­setzt.

Kun­den müs­sen sich nicht sor­gen – vor­erst

Für die Kun­den soll sich zunächst ein­mal nichts ändern. Auch bei zukünf­ti­gen Aus­schrei­bun­gen kön­nen die ver­schie­de­nen Anbie­ter wei­ter auf­ein­an­der­tref­fen – auch wenn sie Teil der glei­chen Unter­neh­mens­grup­pe sind. Ob sich Syn­er­gien im tech­ni­schen Bereich oder beim Vor­an­brin­gen von The­men erge­ben wer­den, wird sich zei­gen.

Bis­her ist Kyo­cera ver­gleichs­wei­se lei­se vor­ge­gan­gen und hat die Töch­ter rela­tiv selbst­stän­dig agie­ren las­sen. Hier hat das teil­wei­se neue Manage­ment auch man­che gute Idee mit­ge­bracht und in die Unter­neh­men der Grup­pe ein­ge­bracht.

Damit bleibt die Fra­ge, wie der ange­streb­te Wachs­tums­pfad zu beur­tei­len ist. Auf der einen Sei­te bie­tet die­ses Wachs­tum Chan­cen, noch mehr neue Ideen zu ent­wi­ckeln und umzu­set­zen. Die Kun­den kön­nen damit von ande­ren Pro­jek­ten pro­fi­tie­ren. Gleich­zei­tig wird die Orga­ni­sa­ti­on aber grö­ßer und die Vor­tei­le der ver­gleichs­wei­se schnel­len Reak­ti­ons­we­ge eines mit­tel­stän­di­schen Unter­neh­mens kön­nen ver­lo­ren gehen – gera­de auch für mit­tel­stän­di­sche Kun­den.

Beim Wachs­tum nicht die Wur­zeln ver­ges­sen – ECM muss den Kun­den im Blick haben

Durch die digi­ta­le Trans­for­ma­ti­on erge­ben sich vie­le neue Chan­cen für die Unter­neh­men, die ent­spre­chen­de Lösun­gen auch wirk­lich umfäng­lich, ver­netzt und fle­xi­bel anbie­ten kön­nen. Daher bie­tet die­se Inves­ti­ti­on bei­den Sei­ten die Chan­ce, sich bes­ser zu posi­tio­nie­ren. Pro­dukt- und Pro­jekt­sicht, Stan­dard und Indi­vi­dua­li­sie­rung, Hard­ware, Soft­ware und Con­sul­ting kön­nen so ver­bun­den wer­den.

Aber wenn man vor lau­ter Visio­nen den Mit­tel­stand und die bestehen­den Part­ner­netz­wer­ke nicht mehr aus­rei­chend beach­tet, wird man kaum erfolg­reich sein. Der span­nends­te Markt bleibt der Mit­tel­stand mit sei­nen vie­len, lukra­ti­ven Pro­jek­ten. Wer so groß wird, dass er nicht mehr zuhört und reagiert, der wird bald mer­ken, dass es immer neue Wett­be­wer­ber gibt, die genau die­se Fle­xi­bi­li­tät und neue Lösungs­an­sät­ze bie­ten.

Zum jet­zi­gen Zeit­punkt lässt sich die­se Über­nah­me nicht seri­ös bewer­ten, da noch zu vie­le Details zum zukünf­ti­gen Markt­auf­tritt unklar sind. Wir bei BARC hof­fen aber, dass Opti­mal Sys­tems auch wei­ter­hin – und nun gestärkt mit einem gro­ßen Part­ner – wich­ti­ge Impul­se für den ECM-Markt setzt.