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CRMCXMDr. Martin Böhn

Der digi­ta­le Wan­del ver­än­dert die Rol­le des Ver­triebs

8. Juni 2017

Von Dr. Mar­tin Böhn

Auch in die­sem Jahr lud das ÖPWZ zum öster­rei­chi­schen Sales Forum ein. In Wien tra­fen sich Ver­triebs­mit­ar­bei­ter und Mana­ger unter­schied­li­cher Bran­chen, um über die Ver­än­de­run­gen in der Kun­den­an­spra­che und im Ver­kauf zu dis­ku­tie­ren - der digi­ta­le Wan­del. In einer Mischung aus Fach­vor­trä­gen, Arbeits­grup­pen und Dis­kus­si­ons­run­den wur­den Impul­se gesetzt, Trends hin­ter­fragt und Hand­lungs­al­ter­na­ti­ven auf­ge­zeigt.

Prof. (FH) Dr. Karl Pin­c­zo­lits gab eine Ein­füh­rung zu den Aus­wir­kun­gen der Digi­ta­li­sie­rung auf die Ver­triebs­stra­te­gie und zeig­te ver­schie­de­ne For­schungs­an­sät­ze zum neu­en Zusam­men­spiel von Kun­de und Unter­neh­men. Dabei wur­de die Rol­le des Ver­triebs als ent­schei­den­der Mitt­ler und Kom­mu­ni­ka­tor betont.

Im Anschluss erfolg­te eine Vor­stel­lung ers­ter Zwi­schen­er­geb­nis­se des CRM Sur­vey durch Dr. Mar­tin Böhn von BARC. Der Fokus lag auf den neu­en Her­aus­for­de­run­gen für Mar­ke­ting und Ver­trieb und den dar­aus ent­ste­hen­den neu­en Mög­lich­kei­ten. Wesent­li­che The­men waren 

  • Die Kun­den­an­for­de­run­gen stei­gen    
    Kun­den erwar­ten hoch­wer­ti­ge Infor­ma­tio­nen über einen Kanal ihrer Wahl. Anfra­gen sol­len schnell und fle­xi­bel beant­wor­tet wer­den, was hohe Ansprü­che an das Infor­ma­ti­ons­ma­nage­ment der Unter­neh­men stellt. 
  • Sozia­le Medi­en sind kein Spiel­zeug    
    Immer mehr Geschäfts­pro­zes­se wer­den (zumin­dest teil­wei­se) über sozia­le Medi­en abge­wi­ckelt. Nicht nur die Kon­takt­an­bah­nung, auch Anfra­gen, Ser­vice-Leis­tun­gen oder Infor­ma­ti­ons­ver­mitt­lung sind wesent­li­che Anwen­dungs­ge­bie­te. Die Unter­neh­men prü­fen, wel­che Mög­lich­kei­ten sich bie­ten, die eige­nen Leis­tun­gen noch bes­ser beim Kun­den zu plat­zie­ren.
  • Mobi­li­tät ist Rea­li­tät: Auf Kun­den­sei­te und im Ver­trieb     
    Kun­den erwar­ten, auf wesent­li­che Infor­ma­tio­nen auch mobil zugrei­fen und mit dem Unter­neh­men in Kon­takt tre­ten zu kön­nen. Gleich­zei­tig bie­ten mobi­le Cli­ents vie­le Mög­lich­kei­ten zur Unter­stüt­zung der Ver­triebs­mit­ar­bei­ter direkt beim Kun­den (Zugriff auf Daten zum Kun­den, zu Pro­duk­ten, zum Pro­jekt etc.; ein­fa­che­re Erfas­sung etc.). 
  • Zu vie­le Pro­jek­te schei­tern     
    Vie­le Befrag­te gaben an, dass die Initia­ti­ven hin­ter den Erwar­tun­gen zurück­blei­ben. Zu wenig Geld, aber vor allem man­geln­de Stra­te­gien und Res­sour­cen wer­den als Haupt­pro­ble­me ange­se­hen.     

Im Anschluss ent­wi­ckel­te sich eine span­nen­de Dis­kus­si­on, wel­che Poten­zia­le sich erge­ben, aber auch wel­che Stol­per­stei­ne bei der Umset­zung zu umschif­fen sind.

In einem wei­te­ren Pro­gramm­teil wur­de in Form eines Work­shops zum The­ma Ref­raming auf­ge­zeigt, wie die Psy­cho­lo­gie den Ver­trieb beein­flusst. Anhand anschau­li­cher Bei­spie­le ver­deut­lich­te Cari­na Trapl, wie der Mensch sei­ne Sicht der Welt prägt und damit wesent­li­che Zusam­men­hän­ge nicht erkennt. In Arbeits­grup­pen waren anschlie­ßend die eige­nen Ein­stel­lun­gen und Wahr­neh­mun­gen zu hin­ter­fra­gen, um die Kun­den­sicht bes­ser zu ver­ste­hen. Wesent­li­che The­men waren: 

  • Was will der Kun­de? Was braucht der Kun­de?     
    Nicht immer sind die geäu­ßer­ten Wün­sche und die ech­ten Bedürf­nis­se iden­tisch. Guter Ver­trieb muss dem Kun­den hel­fen, die eige­nen Her­aus­for­de­run­gen bes­ser zu ver­ste­hen und Lösun­gen auf­zei­gen. Ver­trieb nicht als Ver­kauf, son­dern als part­ner­schaft­li­che Bera­tung 
  • Wie kön­nen die eige­nen Pro­duk­te und Leis­tun­gen einen Mehr­wert bie­ten?    
    Für den Kun­den muss klar sein, wie die Pro­duk­te und Leis­tun­gen ihm hel­fen, sei­ne Zie­le umzu­set­zen. Tech­ni­sche Eigen­schaf­ten oder kauf­män­ni­sche Kon­di­tio­nen sind nur der Rah­men, wesent­lich sind die Anwen­dungs­mög­lich­kei­ten und Ergeb­nis­se. 
  • Wie muss dies kom­mu­ni­ziert wer­den, um den Kun­den zu über­zeu­gen? Wie kann man den Kun­den – und den eige­nen Ver­trieb – begeis­tern?    
    Der Kun­de muss abge­holt wer­den: in sei­ner Welt, sei­nen Her­aus­for­de­run­gen, sei­ner Spra­che. Das bedeu­tet, dass man Ein­satz­sze­na­ri­en und Rah­men­be­din­gun­gen ken­nen muss. Wird die Anspra­che ver­bes­sert, stei­gen die Erfolgs­aus­sich­ten – was auch die Mit­ar­bei­ter­mo­ti­va­ti­on im Ver­trieb stärkt. Ein­fach for­mu­liert: Guter Ver­trieb muss allen Spaß machen.

Am Nach­mit­tag wur­den in ver­schie­de­nen Vor­trä­gen kon­kre­te Pra­xis­bei­spie­le vor­ge­stellt. Beson­ders inter­es­sant war der Vor­trag von Lints Digi­tal Solu­ti­ons. Herr Roh­r­eg­ger ver­deut­lich­te, wie Vir­tu­al Rea­li­ty das Kun­den­er­leb­nis erwei­tern kann. Am Bei­spiel einer Arzt­pra­xis wur­de gezeigt, wie man den Kun­den direkt in die (zukünf­ti­ge) Pro­dukt­nut­zung mit­neh­men kann. Es ist mög­lich, die spä­te­re Nut­zung zu ver­deut­li­chen und Vor­tei­le gegen­über der bis­he­ri­gen Arbeits­wei­se auf­zu­zei­gen. Wahl­wei­se kann der Kun­de durch die vir­tu­el­le Umge­bung geführt wer­den oder selbst auf Ent­de­ckungs­rei­se gehen. An ver­schie­de­nen Stel­len sind Erläu­te­run­gen (Vide­os, Tafeln, Ava­tare) mög­lich.

Es bleibt also span­nend. Die neu­en Tech­no­lo­gien bie­ten vie­le Mög­lich­kei­ten – und die Kun­den erwar­ten auch, dass der Ver­trieb sie nutzt, um ein noch bes­se­res Kun­den­er­leb­nis zu erzeu­gen. Aber oft blei­ben die Pro­ble­me die alten: feh­len­de Stra­te­gien, man­gel­haf­te Unter­stüt­zung und unkla­re Zie­le.